Ein Laden, eine Bar?

Ich bin seit 35Jahren im Geschäft. Wir haben keinen Laden, wir haben eine Bar mit Beratung. Wir sind eben der "etwas andere" Laden. Eine Welt, die ihr mit euren eigenen Augen sehen müsst, um sie zu verstehen. Wir haben uns Mühe gegeben hier zu zeigen, was wir für euch machen. 

 

Das Beinhaus

Ich stehe in einem alten Schweizer Beinhaus, einem jener Einrichtungen in den die Gebeine vieler Verstorbener platzsparend zur letzten Ruhe aufgeschichtet sind. Hunderte Schädel scheinen mich anzublicken und mir wird bewusst wie endlich das irdische Dasein ist. Die Schädel erzählen davon wie fragile das Leben sein kann. Sie sagen mir, dass es nicht viel braucht, um der menschlichen Existenz ein Ende zu setzen. Eine Erschütterung des Gehirns reicht und ein ganzes Universum von Gefühlen und Gedanken werden durch die entstehende Schwellung regelrecht zerquetscht. Zerdrückt in einem Schädel, der nicht viel Raum lässt. Ich denke daran, dass ich in zwei Wochen mit einer Royal-Enfield mein Leben unsicher machen werde. Dabei beunruhigt mich, dass ich seit vielen Jahren nicht mehr im Sattel war. Aber auch wenn ich davon absehe: Krafträder sind selbst für geübte Menschen eine gefährliche Leidenschaft. Im Vibrieren des Motors verdichten sich die Unsicherheiten des Lebens. Sie nehmen eine existenziell bedrohliche Form an, sobald die beiden Räder, nur von Kreisel- und Fliehkräften gehalten in ein leicht zu störendes Gleichgewicht finden. Das was die Fahrenden dann noch am Leben und bei Gesundheit hält, sind ihre Aufmerksamkeit, das mentale und körperliche Können, die Erfahrung und die Risikokompetenz. Es ist aber eine Illusion zu glauben, durch diese Fähigkeiten Herrin oder Herr des eigenen Schicksals zu sein. Etwas weniger als Hälfte aller Motorradunfälle mit Personenschäden sind nicht selbst verschuldet. (2) Auch wenn man noch so vorausschauend fährt, kann es einen erwischen.

Der Büll

Wer da gut beraten werden will und günstig einkaufen möchte, ist bei Herrn Büll in Lichtensteig bestens aufgehoben. Obwohl, bei meiner ersten Begegnung mit Herrn Büll hatte ich da noch so meine Zweifel. Vor mir stand ein eher kleiner Mann, der selbst in seinem Laden das Taschenmesser am Gürtel und die Schuhe mit den Stahlkappen trägt. Herr Büll ist der Prototyp des wilden Bikers: Die verwaschene Jeans, der schwere Gurt und ein ausgebleichtes T-Shirt mit Totenkopf-Motiv. Im verschmitzten Gesicht ein verwegenes Bärtchen. Herr Büll gehört zu meiner Generation, aber in seinem Outfit wirkt er wie aus der Zeit gefallen. Jede Pore seines Körpers verströmt Biker-Romantik. Nichts an ihm würde darauf hindeuten, dass er in bunter Sicherheitskleidung den Kickstarter herunter tritt. Tut er auch nicht. Herr Büll sagt dazu: „Wenn es mich erwischt, bin ich selber schuld.“

Er weiss welches Risiko er eingeht und Herr Büll warnt jede und jeden eindringlich davor, dasselbe Risiko auf sich zu nehmen. Herr Büll verkauft seine Motorradkleidung nicht in erster Linie um Geld zu verdienen. Bei den guten Preisen, die er seiner Kundschaft macht, wäre das auch absurd. Sein Verdienst wird sich in sehr engen Grenzen halten. Herr Büll verkauft Motorradkleidung aus einer Passion heraus. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht eine gefährliche, in eine berechenbare Leidenschaft zu verwandeln. Kein Kunde von ihm hat jemals einen Rollstuhl gebraucht. Stolz präsentiert er Dankesschreiben von Frauen und Männern die Kraft seiner Beratung und Einkleidung noch am Leben sind. Seine Kunden sind sowohl die einfachen Büezer, als auch Akademikerinnen. Ärzte sind mit dabei. Menschen also, denen besonders klar ist, dass zu ihrem lebensgefährlichen Hobby ein guter Schutz gehört.

 

Der König

Geht man in einen normalen Laden ist in der Regel der Kunde König und am Ende ein König, mit teuren und vielleicht suboptimalen Kleidern. Bei Herrn Büll ist das anders. In seinem Laden ist er der König und seine Kunden ersuchen bei ihm um eine Audienz. Dafür finden sie in seinem riesigen Reich die optimale Ausrüstung. Er herrscht über eine grosse Sammlungen an neuen und gebrauchten Motorradkleidern, in allen erdenklichen Grössen. Erlangt man die Gnade des Königs und das tun alle, die sich in seinem Reich höflich und anständig benehmen, wird man hochkompetent beraten. In der Regel macht man dann das Schnäppchen seines Lebens. Neigt man aber zu Arroganz oder versucht einen unverschämt niedrigen Preis herauszuschlagen, empfiehlt sich eine alte Lebensweisheit: Komme niemals einem eingefleischten Biker krumm. Die Jungs können ziemlich ungemütlich werden. Mit seinen Biker-Klamotten trägt Herr Büll nicht nur die Insignien eines kompromisslosen Lebens, er lebt es auch. Den Leuten, die er nicht mag, verkauft er nichts. Auch eilige Kunden sollten seinen Laden meiden. Herr Büll nimmt sich viel Zeit für seine Beratungen und ist dann voll und ganz für die Ratsuchenden da. Alle anderen müssen warten. Herr Büll stellt in solchen Situationen ein Schild vor die Türe, auf dem man das nachlesen kann. Am besten macht man mit Herrn Büll einen Termin aus.